Sonntag, 14. Februar 2016

[Rezension] "Among Women" - Samaneh Khosravi

Das Bild, das wir in Deutschland von iranischer Frauen haben, ist nicht selten geprägt von Klischees. Verschleierte, gleich geschaltete Gestalten, bis zum Boden verhüllt - so stellt sich manch einer die muslimische Frau vor, egal woher sie stammt. Tatsächlich ist die arabische Welt vielfältig. Schönheit und Ästhetik spielen im Leben iranischer Frauen eine große Rolle. Manch Ritual findet öffentlich, manches hinter verschlossenen Türen statt. Die Fotografin Samaneh Khosravi hat den Frauen ihres Herkunftslandes ein Gesicht gegeben - oder so sollte man vielmehr sagen: viele Gesichter.




Mit skeptischem Blick prüft eine junge Frau ihr Erscheinungsbild im Spiegel. Die blond gefärbten Haare hat sie halb unter einem weißen Tuch verborgen. Darunter trägt sie einen kräftig roten Mantel. Dazu passenden Lippenstift und mit schwarzem Kajal betonte Augen. Eine andere sitzt im Behandlungszimmer eines Arztes. Ihre Nase ist mit einem Pflaster verdeckt. Zwischen 60.000 und 70.000 kosmetische Nasenoperationen werden jährlich im Iran durchgeführt, erfährt man im Begleittext auf der nächsten Seite.

Schönheit und Status


Mit ihrem Bildband "Among Women" begibt sich Samaneh Khosravi auf die Spuren der Schönheitsideale junger Iranerinnen. Kleidung, Schminke, Schuhe, selbst Schönheitsoperationen spielen dort eine große Rolle. Vor allem letztere spiegeln nicht nur den Wunsch wieder, sich einer Idealvorstellung weiblicher Schönheit zu nähern, sie sind zeitgleich auch ein Statussymbol. Denn nur wer die entsprechenden Mittel hat, kann sich eine Nasenkorrektur leisten.

Es sind höchst intime Einblicke, die die Fotografin in ihrem Bildband präsentiert. Ob durch Sport, das sexy Kleid unter dem langen Obergewand oder die lackierten Fingernägel - die iranischen Frauen schaffen sich Räume zum Ausleben ihrer Individualität. Es sei eine selbstbewusste Frauengeneration, die sie in ihrem Buch zeige, schreibt Khosravi. Sie selbst erlernte ihr Kunsthandwerk in beiden Ländern, sowohl im Iran als auch in Deutschland, wo sie seit sieben Jahren lebt.

Leben im Privaten


Selbstbewusst, ja. Und dennoch hat man nach dem Betrachten den Eindruck, das Leben dieser Frauen fände überwiegend im Verborgenen, im Privaten statt. Berufsleben von Frauen, Bildung? Kaum etwas, das darauf hindeutet, ist auf den Bildern zu sehen. Doch der Schein mag trügen. Möglicherweise zeigt uns Samaneh Khosravi ja bald in einem neuen Band die vielen weiteren Facetten, die das Leben der iranischen Frauenzu bieten hat.

Ich bedanke mich beim Kerber Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.


 




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