Sonntag, 13. September 2015

[Rezension] „Kein Leben ohne Minibar“ – Will Wiles


Was hat Will Wiles wohl beim Schreiben eingeworfen?, möchte man fragen, nachdem man „Kein Leben ohne Minibar“ beendet hat. In seinem neuen Roman wird es schräg. Britischer Humor und kafkaeske Gefahrenlagen treffen auf eine bedrohliche Gestalt, die in manchem an Mr. Smith aus „Matrix“ erinnert.



Und das, obwohl der Plot zunächst so zahm daher kommt: Neil Double ist ein Einzelgänger. Als Messevertreter reist er anstelle von Unternehmern zu Veranstaltungen und schreibt anschließend Berichte über das Geschehen. So sparen die Unternehmen Zeit und bekommen dennoch die Informationen von der Messe, auf die es ihnen ankommt. Längst hat der Geschäftsmann sich an die sich stets wiederholenden Abläufe gewöhnt.

Innige Beziehung zu Hotelketten 

Fast durchgängig kommt Neil auf seinen Reisen in gleichförmigen Hotelketten unter, zu denen er im Laufe der Jahre eine innige Beziehung entwickelt hat: „[A]lles ist zweckentfremdet“, beschreibt er das besondere Flair, „Meditationsgärten, in denen keiner meditiert, Sessel, in denen keiner sitzt, Schubladen, in denen nichts liegt außer einer Bibel, die man nicht liest.“ Als Neil schon am ersten Abend der aktuellen Messe auf eine geheimnisvolle Schöne trifft und sich mit ihr unterhält, beginnt er Stück für Stück das Hotel mit anderen Augen zu betrachten.

Denn dieses scheint – im wahrsten Sinne – ein Eigenleben zu entwickeln und Niel die Abreise zu verwehren. Hinzu kommen einige seltsame Begegnungen und das groteske Verhalten der Messeleitung, die Neil plötzlich jeglichen Zugang zum Messegelände untersagt. Er macht sich auf die Suche nach der faszinierenden Frau vom Vorabend, da sie längst hinter das Geheimnis des Hotels gekommen ist. Ohne sie gibt es kein Entkommen aus dem Albtraum Hotelkette.

Futuristisches Szenario

Das Buch von Will Wiles war anders, als ich es der Buchbeschreibung im Klappentext entsprechend erwartet hatte. Von einer anfänglichen Milieustudie entwickelt sich die Geschichte auf halber Strecke in ein futuristisches Szenario. Dann geht es rasant auf den – zugegeben – sehr unterhaltsamen Showdown zu. Wirklich gepackt aber hat mich die Erzählung nicht.

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