Mittwoch, 18. März 2015

Weniger ist mehr - Bücher übers Aufräumen und Loslassen

Mein vergangenes Jahr hatte viel mit dem Thema Loslassen zu tun. Sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich gab es Ereignisse, die mich damit konfrontierten. Ich nahm dies zum Anlass, nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich zu entschlacken - und einiges aus- und aufzuräumen.

Kein Wunder, dass sich dies auch in meinem Lesestoff wiederspiegelte. Ratgeber und Sachbücher, die sich auf die ein oder andere Weise mit dem Loslassen beschäftigen, gibt es eine Menge. Hier möchte ich euch einige Beispiele vorstellen, die mir begegnet sind.



Raphael Fellmer: "Glücklich ohne Geld"


Glücklich ohne Geld? Für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft klingt dieser Gedanke sicher absurd. Denn er bedeutet nicht nur, auf Luxusgüter zu verzichten, sondern ebenso auf den Konsum von Alltäglichem wie Nahrungsmitteln und Kleidung - zumindest auf den ersten Blick. Wer sich mit Raphael Fellmer beschäftigt, der wird schnell bemerken, dass sein Lebensstil polarisiert. "Großartig, ein Vorbild für die Menschheit", meinen die einen. "Ein Schmarotzer", schimpft manch anderer. Seit 2010 lebt er nämlich im Geldstreik.Warum er dies tut und wie er dennoch durchs Leben kommt, davon berichtet er in seinem Buch.

Und das ist wirklich interessant zu lesen. Letztlich erlebe ich ihn nicht als einen Menschen, der mir seine Philosophie aufdrängen möchte. Aber ich spüre, dass er sehr überzeugt ist davon, dass das System, in dem wir leben, unsere Umwelt und damit auch uns Menschen massiv gefährdet. Raphael Fellmer hat eine Mission. Deswegen setzt er sich auch für die "Rettung" von Lebensmitteln ein, die Supermärkte nach Ladenschluss in den Müll werfen würden, obwohl sie noch gut sind. Die Idee des foodsharing basiert auf demselben Gedanken, nur dass hier auch private Konsumenten Lebensmittel an andere weitergeben, wenn sie sie selber nicht verbrauchen können. All das regt zum Nachdenken an. Und ist auch nicht unumstritten.

Ich bin nach der Lektüre weder in den Geldstreik getreten noch bin ich zur radikalen Konsumverweigerin geworden. Was Raphael Fellmer aber geschafft hat: mich zum Umdenken zu bewegen. Bei vielem, was ich im vergangenen Jahr in Einkaufsgeschäften in der Hand hielt, habe ich bewusster darüber nachgedacht, ob ich es wirklich brauche und falls ja, was ich stattdessen dafür weggeben kann. Oft hat es mich in Second-Hand-Läden verschlagen. Die große Menge an angehäuften Gegenständen in meiner Wohnung versuche ich zu reduzieren. Mehrere Kartons mit Kleidung habe ich verschenkt, fast ebenso viele Bücher aus meinem privaten Fundus weitergegeben.

Und ich habe diverse Tauschmöglichkeiten schätzen und lieben gelernt: öffentliche Bücherregale, in denen man seine ausgemusterten Bücher zwischenlagern kann, bis sie jemand anders nimmt, der sie gerne lesen möchte; Kleiderkammern, in denen Bedürftige nach noch guten, aber günstigen, teils kostenlosen Klamotten suchen; Verschenke- und Free-your-stuff-Gruppen auf Facebook, in denen Menschen Gegenstände, die sie nicht mehr selber nutzen, mit Freude anderen geben. Und so weiter.

Mein Fazit: Ein aufgeräumtes Heim tut der Seele gut. Verschenken und bewusster Konsum sind ein ebensolcher Balsam. Es lohnt sich, die Dinge zu hinterfragen. Aus genau diesem Grund empfehle ich dieses Buch.

PS: "Glücklich ohne Geld" von Raphael Fellmer gibt es als eBook übrigens kostenfrei.


Timothy Ferriss: "Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben"


Zu dem ersten Buch in diesem Artikel scheint meine zweite Empfehlung in diametralem Gegensatz zu stehen. Schon allein der Titel widerspricht dem erstgenannten: Statt auf Geld zu verzichten verspricht er mehr schnöden Mammon - aber auch mehr Zeit und Leben. Nicht schlecht, oder? Auch hier geht es mir nicht darum, das Lebenskonzept eins zu eins zu übernehmen. Es geht mir darum, Denkanstöße zu bekommen. Ich jedenfalls picke mir nur die Punkte heraus, die ich mit mir und meinen eigenen Werten vereinbaren kann.

Was nützt es mir schließlich, wenn ich mich in einem Job krumm und dusselig arbeite, die Freude am Tun, das Privatleben und liebgewonnene Hobbys dafür auf der Strecke bleiben? Arbeitsorganisatorisch kann man von Timothy Ferriss eine Menge Tipps erhalten. Beispielsweise welche Wege mir offen stehen, der Verzettelung im Berufsleben entgegen zu wirken. Oder wie ich wirksam bestimmte Zeitquellen auftun kann, die mir Freiheiten ermöglichen, die ich ohne sie nicht hätte. Von all dem berichtet der Autor aus eigener Erfahrung.

Zum Beispiel, wenn er darüber schreibt, sich in seinem Arbeitsfluss nicht von Telefonaten oder E-Mails unterbrechen zu lassen. Er rät, für diese Vorgänge bestimmte Zeiten vorzusehen, an denen sie gebündelt abgearbeitet werden können. Auch Dinge zu delegieren und an andere abzugeben, hält er für eine gute Idee. Ich auch. Sofern dies nicht dazu führt, dass andere ausgebeutet werden.

Genau an dieser Stelle habe ich das Buch daher auch kritisch gelesen, denn manches, so mein Eindruck, was den Autor entlastet, geht zulasten anderer. Abgesehen davon aber fand ich die Lektüre äußert erhellend und auch anregend.

Werner Tiki Küstenmacher & Lothar Seiwert: "Simplify your life: Einfacher und glücklich leben"

Das Aufräum-Komplettpaket schließlich liefern die beiden Autoren Werner Tiki Küstenmacher und Lothar Seiwert mit ihrem Weltbestseller "Simplify your life". Vom Arbeitsplatz über die Gesundheit und den unaufgeräumten Keller bis hin zu Freunden, Familie und der Paarbeziehung werden hier einfach mal alle entscheidenden Lebensbereiche beleuchtet. Der Trick: Fange an der Basis an und arbeite dich zum wichtigsten Bereich nach oben vor, zu dir und deinem Selbstbild. Denn auch dort gibt es Aufräumbedarf.

Wie die meisten Ratgeber lebt das Buch natürlich davon, dass der Leser nicht nur interessiert in der Lektüre versinkt, sondern auch einen realen Mehrwert daraus zieht. Wie dieser ausfällt und was sich dann letztlich umsetzen lässt, hängt von dem individuellen Engagement ab und der Bereitschaft, den Prozess der Veränderung auch tatsächlich anzugehen.Ordnung schafft sich nicht von selbst, weder im Außen noch im Innen.

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es gut tun kann, im Außen anzufangen, denn die äußere Ordnung, das Loslassen von unnützen Dingen, setzt oft unbewusst bereits Prozesse im Innern in Gang. Insofern unterstütze ich das sogenannte "Pyramiden"-Konzept der Autoren ganz und gar.

Nicht jeder ist schließlich so ein konsequenter Idealist wie Raphael Fellmer. Solche braucht es, um gesellschaftliche Denkprozesse in Gang zu bringen, davon bin ich überzeugt. In den meisten Fällen aber sind es die kleinen Schritte, die dich voran bringen. Wer zu schnell zu große Erwartungen an sich selbst formuliert, der läuft Gefahr brutal zu scheitern. Step by step, das ist meine Devise, wirkt sich das Aufräumen und Loslassen wirklich nachhaltig aus - und fällt letztlich auch leichter.

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Was hast du für Erfahrungen mit dem Loslassen und Aufräumen gemacht? Welche Bücher haben dich auf deinem Weg inspiriert?


 




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