Mittwoch, 11. Februar 2015

[Rezension] "Bund fürs Leben" - Hanno Charisius & Richard Friebe

"Warum Bakterien unsere Freunde sind" lautet der Untertitel des knapp 300 Seiten dicken Werkes "Bund fürs Leben" von Hanno Charisius und Richard Friebe - und gibt damit bereits eine Richtung vor. Auf unterhaltsame und informative Weise behandeln die Autoren Themen rund um das sogenannte Mikrobiom, das wir Menschen in uns tragen. Eine Unzahl von Bakterien lebt nämlich in und auf uns. Ihr Fazit: "Wir sollten beginnen, sie zu akzeptieren als Teil von uns, zu respektieren als alte Gefährten."




Appetitlich beginnt das Buch allerdings nicht gerade. Mit einem Ausflug in das Sujet der Fäkaltransplantationen geht es sofort in medias res. Gemeint sind damit "Stuhlproben", die von einem gesunden Spender stammen und in einen Menschen mit Darmentzündung quasi "verpflanzt" werden.

Der Gedanke dabei: Wenn das Mikrobiom im Darm ins Ungleichgewicht geraten ist und fortwährend Entzündungen verursacht, so kann eine andere Mischung das Ganze auch wieder ins Lot bringen. Der Erfolg gibt den Medizinern Recht. Nicht selten geht es den Patienten schlagartig besser.

Was im ersten Moment übel klingt, verliert schnell seinen Schrecken. Schon auf den ersten Metern beginnt man bei der Lektüre dieses Buches, alle Vorurteile gegenüber Bakterien und Mikroben über Board zu werfen. Mir ging es zumindest so. Stattdessen vermittelte sich mir die Faszination, die von diesen Lebewesen ausgeht, mit denen wir tagtäglich zusammenleben und von denen wir - das wird schnell deutlich - auch enorm profitieren. Und doch sehr wenig wissen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Bakterienmix im Geburtskanal und der späteren Anfälligkeit eines Kindes für Allergien? Wie viele Bakterienarten im Darm sind eigentlich normal? Was ist gemeint, wenn vom "zweiten Gehirn" die Rede ist? Und haben Probiotika überhaupt eine messbare Wirkung?

Ob nun der Vorgang der Verdauung an sich oder auch der Einfluss der Darmbakterien auf die menschliche Psyche - jedes Fachgebiet nehmen Charisius und Friebe genau unter die Lupe.

Sie untersuchen den aktuellen Wissensstand der Forschung in Bezug auf Krebs, Übergewicht, Diabetes und Antibiotika. Dabei vergleichen sie oft verschiedene Studien und stellen auch heraus, welche Fragen bis heute offen sind. Die journalistische und nicht selten auch sehr humorvolle Schreibe der Autoren macht großen Spaß zu lesen.

Lernen kann man von ihnen eine Menge. Zum Beispiel, welchen Einfluss zucker- und fettlastige Ernährung auf unsere Darmausstattung haben kann. Oder auch wie verschiedene Menschen ganz unterschiedlich auf Bakterienkuren reagieren.

Und doch wirft das Buch mehr Fragen auf als es eindeutig klären kann. In unserem Innern und auf unserer Haut gibt es noch viel unentdecktes Land. Kein Wunder, dass die Autoren am Ende ihrer fundierten Analyse einen deutlichen Appell formulieren: Mehr Mittel brauche es für die Forschung! Denn was unsere mikroskopisch kleinen Mitbewohner angeht, gibt es wirklich noch eine Menge zu tun.

Ich danke Hanser Literaturverlage für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.


   

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