Mittwoch, 21. Januar 2015

[Rezension] "Der Besuch" - Hila Blum


Es ist Jahre her, dass der Multimillionär Duclos einst Nili und ihrem Ehemann Nati in Paris in einer unangenehmen Situation geholfen hat. Nun kündigt Duclos seinen Besuch bei ihnen in Israel an. Ein Strudel der Erinnerungen, uneingestandenen Ängste und Sehnsüchte bricht über die Protagonistin herein. Den eigentlichen Grund für den Besuch Duclos’ verrät die Autorin Hila Blum in ihrem Debütroman allerdings erst ganz am Ende.



„Es gibt Dinge, die können nur in den schmalen Spalten der Nachlässigkeit geschehen, der Unaufmerksamkeit, in einem Wirbel aus Trägheit und Licht.“ Mit diesen Worten beginnt „Der Besuch“, sie verleihen dem Roman sogleich einen Hauch von Schicksalhaftigkeit. In schwermütigen Farben schildert Hila Blum zu Beginn denn auch das Verschwinden eines vermissten Jungen, dessen Geschichte wie ein roter Faden die Erinnerungsfetzen von Nili durchwirkt.

Auch sie scheint verloren, irrt schlafwandlerisch durch Fragmente von Gesprächen und Begegnungen, wirkt ausgeliefert auf der einen, getrieben auf der anderen Seite – zwischen demenzkranker Mutter und dem vermeintlich fremdgehenden Ehemann. Doch lange Zeit tappt der Leser im Dunkeln, welche Motive Nili dabei begleiten. Wie ein Mosaik setzen sich die Scherben ihrer Liebes- und auch der familiären Beziehungen erst nach und nach zu einem Ganzen zusammen.

Was auf der einen Seite – sprachlich dicht – die Stärke dieses Romans ausmacht und Spannung erzeugt, lässt ihn im letzten Drittel phasenweise zäh erscheinen. Während gerade am Anfang der angekündigte Besuch der Familiengeschichte auch eine kriminalistische Note verleiht, gerät dieser Aspekt irgendwo zwischen seitenlangen Gesprächen von Nili und ihren Töchtern am Ende beinahe in Vergessenheit. Dennoch: Ein passender Lesetipp für lange Winterabende. 



   

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen