Montag, 2. Juni 2014

Ohne Vertrauen kein Mut - #Mutmachparade

Die Mutmachparade von Hannes auf seinem jazzblog.de lief mir heute eher zufällig über den Weg. Er ruft dazu auf, sich in einem Beitrag daran zu beteiligen und die Idee weiter zu tragen. Für mich Anlass genug, darüber zu sinnieren, was für mich Mut eigentlich bedeutet.

Ein Gedankenstrom:


Was bedeutet Mut für mich? In erster Linie gehört Mut dazu, etwas zu tun, das ich nicht gewohnt bin und vor dem ich mich vielleicht sogar fürchte. Es geht dabei ums Handeln, um unsere Erfahrungen und um unsere Ängste. Die letzten beiden Begriffe sind eng miteinander verknüpft, denn sie beeinflussen sich gegenseitig und damit bestimmen sie unser Verhalten mehr, als es uns oft bewusst ist.



Eine bloße Idee ist nicht mutig, solange ihr niemand folgt. Ein Plan wird erst dann zu einer mutigen Sache, wenn er in die Tat umgesetzt wurde. Nicht die Worte machen uns zu dem, was wir sind, sondern vor allem unser Verhalten – auch wenn manchmal das eine das andere nicht ausschließt.

Was wir als mutig erachten, ist damit verknüpft, was wir selber für Erfahrungen gemacht haben. Wir bewundern oft Menschen, die Dinge tun, die wir uns selbst nicht zutrauen würden. Das kann alles Mögliche sein. Eine Trennung zum Beispiel, ein Auslandsaufenthalt oder die Tatsache, dass jemand für seine Meinung einsteht. Wir bewundern auch häufig jene, die etwas ganz besonders gut können und halten es deshalb für mutig. Dabei fällt es ihnen selber leicht, weil sie längst darin geübt sind.

Mut scheint in diesem Sinne relativ zu sein und höchst subjektiv. Dennoch gibt es Dinge, die von vielen Menschen gleichermaßen als mutig wahrgenommen werden. Eine von mir sehr geschätzte Form von Mut ist und bleibt die Zivilcourage. Ich mag es darüber hinaus, wenn Menschen authentisch und mit sich im Reinen sind. Ich halte das deswegen für mutig, weil es nicht selten auch mit Widerständen verbunden ist, die es erst zu überwinden gilt.

Ich persönlich habe schon mehrfach allen Mut zusammen genommen und Entscheidungen getroffen, die mein Leben entscheidend verändert haben. Zum Beispiel als ich vor einigen Jahren beschloss, den Beruf der Regisseurin weitestgehend aufzugeben und eine neue Perspektive zu suchen. Mir ging es nicht gut in dem bisherigen Umfeld, dennoch brauchte es eine Zeit, bis ich mich entschied, etwas in meinem Leben zu ändern. Und das tat ich dann auch.

Monatelang jobbte ich in einem vollkommen fachfremden Bereich, um mich zu sortieren und eine neue Linie zu finden. Irgendwann wusste ich: Ich möchte schreiben. Mittlerweile kann ich davon leben. Weder das Regiefach noch die Selbständigkeit als Schreiberling hätte ich mir Jahre zuvor zugetraut. Und ich bin durch ein tiefes Tal gegangen, als ich beschloss, meinen Theatertraum vorerst ad acta zu legen.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht mal ahnte: Hinter diesem Traum versteckte sich ein zweiter, der – das weiß ich jetzt – wesentlich besser zu mir passt. Angst hatte mir den Blick auf meine Möglichkeiten versperrt. Doch seit ich nicht mehr darauf angewiesen bin, mich in der Theaterwelt zu behaupten, machen mir meine wenigen Regieprojekte wieder wesentlich mehr Spaß.

Was mir half, war zum einen das (Selbst-) Vertrauen in meine Fähigkeit, immer wieder auf die Füße zu fallen, wenn ich mal am Boden war. Vor allem aber waren es Menschen, die an mich glaubten und mich in der Zeit der Krise unterstützt haben. Ohne die Unterstützung meiner Freunde und manch anderer – unerwarteter – guter Engel, wäre es ungleich schwerer gewesen, diesen ungewohnten Weg zu gehen.

Zwei Appelle möchte ich an dieser Stelle jedem mit auf den Weg geben, einen für sich und einen in Bezug auf andere. Für dich: Wann immer du vor deinen Träumen zurück schreckst, dann frage dich, was dich daran hindert, das, was du tun möchtest, einfach zu tun. Möglicherweise kannst du es überwinden. Möglicherweise aber hat dein Zögern auch einen guten Grund. Finde es heraus. Das kommt einem zwar oft kompliziert vor, ist aber meistens ganz einfach. Was würdest du einem anderen Menschen raten, der an deiner Stelle wär?

Und in Bezug auf deine Mitmenschen: Wann immer du jemanden als mutig erlebst, teile es ihm mit. Viele Leute sind sich der Tatsache gar nicht bewusst, dass sie gerade etwas Bewundernswertes getan haben. Wann immer jemand zögert, das Richtige für sich zu tun, mache ihm Mut. Was wir brauchen, sind nicht nur mutige Menschen, sondern auch solche, die in der Lage sind, anderen ihr Zutrauen zu schenken. Wir brauchen Mutmacher, denn ohne Vertrauen kein Mut. Und ohne Mut haben die Ängste leichtes Spiel, uns unser Leben aus der Hand zu nehmen.


 

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