Mittwoch, 28. Mai 2014

Crowdfunding beim kladde|buchverlag – Autor Matthias Engels im Interview

Der kladde|buchverlag ist der erste Verlag, der seine Buchprojekte ausschließlich über Crowdfunding finanziert. Dabei werden potentielle Leser im Schwarm zu stillen Teilhabern eines Projektes, um dessen Umsetzung überhaupt erst möglich zu machen. Über den Umfang der Beteiligung entscheidet jeder selbst.

Mit seinem Buch „Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde und Hamsun“ buhlt der Autor Matthias Engels derzeit um die Gunst der Crowd. Obwohl auch ein anderer Verlag an dem Manuskript Interesse hatte, hat sich Engels ganz bewusst für kladde entschieden. Ich traf den Autor in der vergangenen Woche zum Interview und fragte ihn warum.

Worum geht es in deinem Buchprojekt genau?

Oscar Wilde und Knut Hamsun gehören lange schon zu meinen Lieblingsautoren. Ich kannte auch deren Biografien ganz gut, habe sie aber immer nur getrennt betrachtet. Vor mehr als zweieinhalb Jahren fiel mir plötzlich auf, dass die beiden 1882 zeitgleich in Amerika waren. Wilde war dort als Vortragskünstler unterwegs, er hatte zu diesem Zeitpunkt  noch kaum etwas veröffentlicht. Er wurde gefeiert wie verrückt, zum Beispiel mit Schlagern, die auf ihn gedichtet wurden oder Karikaturen. Und wirklich zur gleichen Zeit fuhr Knut Hamsun, norwegischer Autodidakt und geplagt von Minderwertigkeitskomplexen, als armer Emigrant nach Amerika, um dort literarischen Ruhm zu suchen. Damit ist er gefloppt, alles sprach von Oscar Wilde. Hamsun ist dann relativ desillusioniert nach Norwegen zurückgekehrt. Mein Buch handelt von diesen beiden Schriftstellern und den Parallelen ihrer Lebensgeschichten.


Ist es ein Sachbuch oder ein Roman?

Ein Roman. Ich habe irrsinnig viel recherchiert, bis hinein in die Wetterverhältnisse. Das  war zum Teil schon sehr anspruchsvoll. Es gibt viele interessante Szenen, die ich dann natürlich ausgemalt habe. Ein paar Sachen musste ich erfinden, aber ich habe versucht, mich immer an das Wahrscheinliche zu halten. Es ist alles nachprüfbar.

Erscheinen soll das Buch im kladde|buchverlag. Warum dort?

Den Hauptausschlag gab letzten Endes die Sorgfalt, mit der kladde arbeitet. Es ist ein ganz kleiner, feiner, junger Verlag, der 2013 erst gegründet wurde. Schon jetzt hat kladde für jede Sparte, sei es Lektorat, Grafikdesign oder Marketing, sehr kluge Köpfe im Team. Die sind sehr gut organisiert und stehen einfach definitiv auf der Seite des Autors. Das Hauptanliegen ist: Der Autor muss nichts tun, der soll schreiben, alles andere macht kladde. Im Moment boomt ja das Selfpublishing, da macht der Autor alles selbst. Oder er muss sich bei Zuschussverlagen alles teuer einkaufen. Da ist das kladde-Konzept doch ein toller  Ansatz. kladde macht klassisches Lektorat von vorne bis hinten, die machen dazu noch sehr schön gestaltete Bücher mit einem der besten Papiere und einer tollen Typografie. Und sie nutzen ungewöhnliche Vertriebswege, so dass das Ganze dann insgesamt etwas Besonderes ist.


Ungewöhnlich ist ja auch der Weg, das Projekt zu finanzieren. Von Crowdfunding ist da die Rede.

Ja, und das muss man aus zwei Richtungen betrachten. Dem Verlag macht das Crowdfunding möglich, eben mit diesen guten Materialien und mit diesem Konzept zu arbeiten. Und dem Leser macht es möglich, an einem Projekt konkret teilzuhaben, bevor es erschienen ist. Das Publikum kann durch finanzielle Beteiligung mitentscheiden, was gedruckt wird und was nicht. Und das kann man derzeit nur bei kladde. Der klassische Weg ist: Ich kaufe ein Buch, dann habe ich einen Kassenzettel und das ist dann die Verbindung. Hier ist es so, dass der Leser das Manuskript schon vorher lesen kann, zumindest in Auszügen, dass er vorher schon sagen kann: Das finde ich toll. Man ist also viel näher an dem Produkt als nur durch das Kaufen im Laden.

Das heißt, die Leser entscheiden nicht nur, welches Buch gedruckt wird, sie finanzieren es auch mit.

Nach Möglichkeit  alleine, ja.  Der Verlag selbst steckt kein Geld rein. Aber im Gegenteil zum Selfpublishing steckt auch der Autor kein Geld rein. Es ist wirklich nur das entscheidend, was die Crowd gibt.

Macht kladde das mit allen Büchern so?

Ja. Sie lesen die Manuskripte, die sie bekommen, und sortieren vor. Dann stellen sie ihre Auswahl auf ihrer Crowdfunding-Plattform dem Publikum vor. Natürlich wird vorher kalkuliert, wie hoch der Betrag ist, den wir für das Projekt erreichen möchten und der muss dann auch erreicht werden. Was darüber geht, kommt dem Verlag und dem Autor zugute. Und wenn es unterschritten wird, wird es nicht gedruckt.


Sichere ich mir mit der finanziellen Beteiligung auch mein Exemplar?

Ja, oder auch mehrere. Je nachdem, welchen Betrag ich gebe. Es gibt Funding-Stufen. Zum Beispiel gibt es dort das Buch zum Vorzugspreis. Mein Buch wird im Laden 18,90 Euro kosten. Auf der Crowdfunding-Plattform gibt es das dann schon für 15 Euro. Es gibt aber auch das „Fan-Paket“, dann gibt es das Buch und das E-Book dazu und man steht persönlich hinten drin. Es gibt auch sehr schön gestaltete Lesezeichen und Buchstützen. Und so geht das stufenweise nach oben bis hin zur kompletten Übernahme der Auflage.

Was geschieht mit dem Geld der Leute, wenn der Gesamtbetrag nicht erreicht wird?

Dann wird der Betrag automatisch  am Tag nach Ablauf der Frist auf das Konto zurück überwiesen.

Und bist du optimistisch, dass das in deinem Fall nicht passiert?

Es wird eine harte Nuss, aber unmöglich ist es nicht. Wir hatten einen sehr guten Start Je mehr Aufmerksamkeit man bekommt, je besser man seine eigenen Netzwerke motiviert und noch neue Leute dazu gewinnt, desto besser läuft es.

Vielen Dank für das Gespräch, Matthias!


Noch bis Samstag, 12. Juli, kann sich die Crowd an dem Projekt beteiligen.


Was haltet ihr von dem Konzept? Liegt die Zukunft der Buchbranche möglicherweise in der Beteiligung des Schwarms? Ist dies eine gute Alternative zum "normalen" Verlagswesen? Wo seht ihr Vor- und Nachteile? Über eure Kommentare würde ich mich freuen!

    

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