Samstag, 28. Dezember 2013

Gut gebrüllt, Löwe?

Wer kennt das nicht: Du findest dich in einer unangenehmen Gesprächsituation wieder und ziehst ob der Gewieftheit deines Gegenübers leider den Kürzeren. Dabei bist du dir sicher: Du hast gute, wenn nicht sogar weit bessere Argumente. Dennoch bleibt dir angesichts der Eloquenz des Gesprächspartners die Spucke weg. Und die richtig guten Antworten, die fallen dir natürlich erst hinterher ein.

Nicht immer hat der Löwe, der lauter brüllt, mit dem, was er sagt, auch automatisch recht. Oft aber sitzt er leider am längeren Hebel. Besonders frustrierend ist dies dann, wenn du zudem den Eindruck gewinnst, hier wird nicht auf Augenhöhe mit dir kommuniziert, weil es auch eigentlich um etwas vollkommen anderes geht.

Moderne Gesprächstechniken lehren vielerlei Methoden. Debattierclubs schießen aus dem Boden. Und die unangenehme Eigenschaft, stets das letzte Wort behalten zu wollen anstatt einen Denkfehler zuzugeben, lässt die Kreativität eingefleischter BWL-Hirne in ungeahnte Höhen wachsen. Die Möglichkeit, neben der erdachten noch eine weitere Lösung ins Auge zu fassen, fällt dabei oft genug aus dem eingeschränkten Sichtfeld heraus.



Dass Argumentation im politischen und wirtschaftlichen Kontext vielfach mit Manipulation gleichsetzbar ist, stört da nicht weiter. Das Ergebnis zählt. Und in unserer Welt misst man dieses nunmal in Zahlen. Kurzfristig messbare scheinen dabei oft einen höheren Stellenwert zu besitzen als langfristig eintretende Entwicklungen. Schade eigentlich.

Was mir persönlich Sorge macht ist, dass dieses Denken auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft immer mehr um sich greift. "Kontrollinstanzen" wie Medien- und Kultureinrichtungen, deren Aufgabe es wäre, den politischen Entscheidern auf die Finger zu schauen und gesellschaftliche Entwicklungen zu hinterfragen, tragen durch kurzfristiges Wirtschaftsdenken und damit häufig verbundene Qualitätsmängel das System mit.

Aber kann man es ihnen verdenken? Das täglich Brot kann davon abhängen, dass die Verkaufszahlen stimmen. Wahre Werte bleiben dabei allerdings auf der Strecke. Und der angemessene Respekt dem eigenen Berufsstand gegenüber auch.



 


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