Donnerstag, 30. Mai 2013

Kurt Drawert in Münster

Am vergangenen Freitag erlebte ich eine Lesung des Autors Kurt Drawert. Er zählt zu den erfolgreichsten und laut Kritik auch besten Lyrikern unserer Zeit. Ob solche Kategorisierungen weiter helfen, vermag ich nicht zu sagen. Dass es ein beeindruckendes Erlebnis war, ihn zu treffen, vermag ich schon zu sagen. Denn er las nicht vor Fachpublikum oder interessierten Erwachsenen, sondern tat dies im Rahmen des Lyrikertreffens in Münster zunächst vor einem Deutschleistungskurs. Und das war schon etwas ganz Besonderes.

Der Lesung einiger lyrischer Texte, vor allem aber auch den Auszügen aus seiner Poetik "Schreiben. Vom Leben der Texte" schickte er einige persönliche Worte voraus. Den Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit markiere ein für ihn "existentielles Erlebnis", erzählte er. Was er selbst als Schüler mit überdurchschnittlichen Noten für unmöglich hielt, wurde bittere Realität. Weil er als rebellischer junger Mensch in der DDR nicht mit der Masse schwamm, nahm man ihm dort die Möglichkeit einer akademischen Laufbahn.



Er sei durch dieses Erleben und die Geschehnisse, die darauf folgten, letztlich zu dem Schriftsteller geworden, der er jetzt sei, sagte er. Ich persönlich glaube, und dies ist mein ganz persönlicher Eindruck, hierfür bedurfte es vor allem zweier Dinge: erstens der Fähigkeit, persönlichen Schmerz, Leid, Kränkung auszuhalten und in eine neue, allgemeingültigere Form zu wandeln, ihn aber gerade nicht zu verdrängen, sondern zu verarbeiten; zweitens aber auch der Fähigkeit, zu lernen und daran zu wachsen. Beide Vorgänge sind eng miteinander verknüpft und müssen nicht bewusst geschehen. Es mag Unterbrechungen geben, Einbrüche, Umbrüche. Gebrochen hat es ihn nicht, eher gestärkt. Dennoch ist der damals erlittene Schmerz noch immer spürbar.

Um Literatur zu erschaffen, so sagte Drawert, brauche es bestimmte Bedingungen. Ich könnte mir vorstellen, dass er unter anderem jene Vorgänge meint, die ich eben kurz mit eigenen Worten umrissen habe. Ich konnte nicht umhin, mir seine Poetik anzuschaffen und werde es nun bald in Ruhe nachlesen. Sicher werde ich davon berichten.


 

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