Sonntag, 13. Januar 2013

[Rezension] "Der träumende Delphin" - Sergio Bambaren

Weil ich so gut gelaunt bin und auch ein hünsches Büchlein fürs Herz besprechen wollte, hab ich wieder einmal tief in die Kiste meiner aussortierten Bücher gegriffen und eine kleine Delphin-Geschichte hervor gezaubert. Sie ist dünn, sie ist groß bedruckt und es gibt sogar Bilder im Innern. Und natürlich jede Menge weltverbesserischer Sinnsprüche - na wenn das nichts ist!




Daniel Alexander Delphin und die Brandung sind unzertrennlich. In seiner Heimatbucht ist er der beste Wellenreiter von allen. Keine Welle scheint ihm zu hoch, keine Brandung zu gefährlich: "Daniel Delphin liebte das Surfen mehr als alles andere. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen; und es gab ihm ein Gefühl von Freiheit." Dennoch träumt der kleine Delphin von einer noch größeren Herausforderung, der perfekten Welle. Aber die Ältesten schaffen es, ihm zunächst jede Illusion zu rauben. Mit ihren von Ängsten dominierten Vorstellungen lassen sie keine Veränderung zu und bleiben in ihrem alltäglichen Trott.

"Er wusste, dass er auf Unverständnis stoßen würde, wenn er versuchte, sich den anderen mitzuteilen und ihnen das Freiheitsgefühl nahezubringen, das er beim Wellenreiten empfand", schreibt der Autor Bambaren. "Aber Daniel Delphin wusste auch, dass die Faszination jenes Augenblicks, wenn er allein inmitten der endlosen Weite seines geliebten Ozeans hoch oben auf einer Welle ritt, ihn nie wieder loslassen würde." Daniel muss sich schließlich entscheiden und macht sich auf den Weg. Aus der Bucht heraus schwimmt er auf den offenen Ozean, und er hat keine Ahnung, wohin ihn die Wellen tragen werden.

Die Stimme des Meeres dringt tief in sein Herz. "Es kommt eine Zeit im Leben, da bleibt einem nichts anderes übrig als seinen eigenen Weg zu gehn", raunt sie. "Träume bedeuten vielleicht ein hartes Stück Arbeit. Wenn wir versuchen, dem auszuweichen, können wir den Grund, warum wir zu träumen begannen, aus den Augen verlieren, und am Ende merken wir, dass der Traum gar nicht mehr uns gehört."

Daniel schwimmt weiter und weiter. Er begegnet den Giganten der Meere, Walen und Schiffen und schließlich findet er den perfekten Strand, auf den riesengroße Wellen zu rollen. Etwas derartiges hat er noch nie gesehn. Und er stürzt sich mitten hinein: "Er hatte für sich den Sinn des Lebens gefunden, indem er seinen eigenen Regeln gefolgt war, jenen Regeln, von denen der Schwarm ihm tausendmal gesagt hatte, dass sie nicht funktionieren würden."

Was mir an dieser Geschichte so gut gefällt, ist die Tatsache, dass hier in einfachen Worten viel Weises erzählt wird. Ein bisschen ist es wie im Märchen. Andererseits aber auch wieder nicht. Ich habe in der vergangenen Zeit oft beobachten können, wie Menschen aufblühten, die sich endlich trauten, ihren Weg zu gehen über alle Widerstände hinweg. Das Rezept ist das Folgende: Mut, Lebensfreude und Vertrauen in die eigene Wahrnehmung sowie die eigenen Fähigkeiten.

Auf einer Veranstaltung, auf der ich heute gewesen bin, zitierte eine Rednerin die fünf Säulen des zufriedenstellenden Lebens nach Precht ("Wer bin ich und wenn ja wie viele"): "Aktivität", "realistische Erwartungen", "Soziales Leben", "Konzentration" und "gute Gedanken". Für mich heißt das übersetzt: Handlungsfähig zu bleiben, sich nicht abhängig zu machen und eigene Entscheidungen zu treffen; diese im Rahmen realistischer Erwartungen zu formulieren und umzusetzen; dies in Gemeinschaft zu tun mit Menschen, die dabei unterstützen; die eigenen Ziele, Wünsche und Hoffnungen nicht aus den Augen zu verlieren und zuletzt sich ein positives (Selbst-) Bild in den entsprechenden Situationen zu bewahren. So gesehn hat Daniel Delphin wirklich alles richtig gemacht.

Und er macht noch etwas richtig: Er behält sein Wissen nämlich nicht für sich, sondern trägt es zurück in die Gemeinschaft, aus der er gekommen ist. Daniel kehrt zurück nach Hause - für mich ein Sinnbild dafür, bei sich selber angekommen zu sein. Das Meer wird hierbei zur Metapher für alles Unbewusste, dass unser Handeln und unser Gefühlsleben prägt. Das ist nicht neu, aber wunderschön.

Merke also: Wer Angst vor großen Wellen hat, sollte vielleicht einfach mal versuchen, auf ihnen zu surfen. Und wenn das nicht funktioniert, kann man ja immer noch durchtauchen und sie schließlich hinter sich lassen. Dann nämlich kann man in Gelassenheit hinter sich schauen und sehn, wie sie irgendwann in Ruhe auszulaufen. Der Ozean der Möglichkeiten steht jedem offen. Entscheidend ist, sich eben ab und an vom Ufer zu lösen und zu schwimmen, auch wenn du zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht weißt, wann die nächste sichere Küste in den Blick gerät.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen