Dienstag, 27. November 2012

"Wofür stehst du?"

So. Der Stapel der aussortierten Bücher wächst. Ich werde mich von so einigem trennen, was nun schon seit einiger Zeit hier herum steht und einstaubt. Und darunter ist auch dieses nette Werk hier:




Nun, eigentlich habe ich gar keine Lust, darüber eine Rezension zu schreiben. Ich möchte es aber auch nicht einfach so fort legen, ohne meinen Senf dazu gegeben zu haben. Daher habe ich mir überlegt, ich könnte ja einfach mal schauen, wofür ich so steh. Oder besser gesagt: Wofür ich stehen will. Denn ob es mir immer gelingt, steht ja auf einem anderen Blatt.

In den letzten Wochen und Monaten habe ich viele Gespräche geführt mit Menschen über ihre Lebensentwürfe und die Dinge, die ihnen fehlen bzw. die sie verändern möchten. Dabei sind wir oft auf zwei wesentliche Punkte gestoßen. Erstens: Was ist gut für dich? Was sagt dir dein Gefühl? Wie kannst du selber glücklich werden? Denn nur wer sich nicht selbst aufgibt, ist in der Lage auch für sich und die Gesellschaft Sorge zu tragen. Und zweitens: Was möchtest du vermitteln? Was möchtest du (auch an nachfolgende Generationen) weiter geben? Dies scheint dann doch für die meisten Menschen ein wichtiger Teil ihrer Indentität zu sein: Etwas hinterlassen zu wollen und mit dem eigenen Verhalten etwas zu bewirken. So geht es mir auch.

Was verbinde ich also mit diesen Begriffen? Wofür stehe ich? Was möchte ich vermitteln? Bevor ich jetzt in ellenlange philosophische Detailklauberei verfalle, möchte ich lieber eine kleine Anekdote erzählen, die mir auf meiner letzten Reise passiert ist und die, so glaube ich, mehr aussagt als jedes theoretische Konstrukt.

Ich saß mit einer Freundin und einem jungen Amerikaner an Bord eines Schiffes und blickte auf den Ozean. Beide hatte ich auf dem Schiff überhaupt erst kennen gelernt. Wir sprachen über unser Leben, wie wir uns die Zukunft so vorstellen könnten und mit welchen Menschen wir uns gern umgeben möchten. Da schaute der Amerikaner mich plötzlich sehr direkt an und sprach: "So also, nun mal ehrlich. Wie muss er sein, dein "perfect guy"?"
"Perfektion ist ein großes Wort", warf ich augenzwinkernd ein, um Zeit zu schinden. Aber er ließ nicht locker.
"Wie stellst du ihn dir vor? Wer passt zu dir?", fragte er.
Ich dachte nach. Recht schnell hatte ich ein deutliches Bild vor Augen. Mit dem Blick auf die weich dahin rollenden Wellen gerichtet begann ich, dieses Bild zu beschreiben. Als ich fertig war, strahlte mein Gesprächspartner über das ganze Gesicht.
"Es ist erstaunlich", sagte er. "Meine Landsleute antworten auf diese Frage in der Regel, indem sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen beschreiben. Aber du hast eben fast nur charakterliche Eigenschaften aufgezählt."
Er hatte recht. So deutlich war mir das bisher noch nie aufgefallen.


 

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