Montag, 10. September 2012

[Rezension] "Traumfänger" - Marlo Morgan

Marlo Morgan begibt sich auf eine Reise wider Willen. Dabei hatte sie es doch so schön geplant: Sich schick machen, die gebotenen Ehren der Aborigines entgegen nehmen und schließlich wieder zufrieden ins Hotel einkehren. Doch weit gefehlt. Ehe sie es sich versieht, landen ihre Klamotten auf dem Lagerfeuer und ihr altes Leben gerät gänzlich aus den Fugen.




Was ist der Kern allen Übels in der Welt? Angst. Und deren Ursache? Mangelndes Urvertrauen. Kann es dir irgendjemand von außen geben, wenn du es nicht in dir hast? Nein, sicher nicht. Kannst du es denn lernen? Vielleicht. Aber das bedeutet Anstrengung. Und nicht zu knapp. Das ist die Botschaft, die Marlo Morgan von ihrer Reise mit den Aborigines nach Hause bringt.

Als amerikanische Wissenschaftlerin hatte es sie einst nach Australien verschlagen. Die unbefriedigende Situation vieler junger Ex-Misch-Ureinwohner bringt sie auf eine Idee: In einem Projekt lehrt sie die jungen Menschen, eigene Geschäftsideen umzusetzen und sich sozial unabhängig zu machen. Mit Erfolg. Bis in den Busch eilt ihr ihr Ruf voraus. Ein Stamm möchte ihr nun eine ganz besondere Ehre zuteil werden lassen.

Doch während Morgan mit einer abendfüllenden Zeremonie rechnet, findet sie sich plötzlich in einem mehrwöchigen Walkabout mitten im Outback quer durch die Wüste Australiens wieder. Alles, was zu ihrem alten Leben gehört, wird ihr genommen. Inmitten der Fremdheit und Natur braucht sie eine Weile, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Schließlich aber lässt sie sich auf die aufregende Reise ein und erlebt eine intensive Zeit, die sie für immer verändert.

Sie habe das Buch als Roman getarnt, um ihre Freunde zu schützen, schreibt die Autorin in einem Vorwort. Solange sie behauptete, es handele sich um fiktive Ereignisse, müsse sie den Behörden nicht Rede und Antwort stehen. Es bleibt also beim Leser zu entscheiden, was er glauben mag und was nicht.
Die enge Beziehung zur Natur ist die wohl eindringlichste Erfahrung, die Morgan für sich mitnimmt. Ihre Bereitschaft, sich auf sich selbst zu verlassen und alles Gewohnte hinten anzustellen, trägt das Ihre dazu bei. Sie fügt sich in die Dinge, die ihr geschehen. Schon bald fühlt sie sich als Teil dieser besonderen Gemeinschaft.

Wie verzaubert verfolge ich die Schilderungen von Telepathie und Heilkräften, von Naturereignissen und nächtlichen Tänzen. Mit Spannung fiebere ich mit, wie Morgan den Stamm durch die Wüste führen soll und verzweifelt nach einer Quelle von Wasser sucht. Erleichterung macht sich breit, als sie es endlich geschafft hat. Sich auf sich selbst zu verlassen und seinen Sinnen zu vertrauen, das ist das Geheimnis der Ureinwohner.

Mir hat das Buch gut gefallen, gibt es mir doch vor meiner eigenen großen Reise ein paar schöne Gedanken mit auf den Weg. Genauso wenig wie es weiter bringt, den Kopf in den Sand zu stecken, hilft es manchmal, in einen wahren Selbstfindungswahn zu verfallen. Manche Dinge begegnen einem einfach. Da kann man nichts machen. Nur immer schön die Augen offen halten, der eigenen Intuition trauen und sich einlassen. Das gilt übrigens auch und vor allem für uns selbst. In diesem Zusammenhang habe ich übrigens erst kürzlich von einer Freundin den folgenden Spruch kredenzt bekommen:

- "I trust you" is better than "I love you"
because you may not always trust the person you love,
but you can always love the person you trust. -

Traumfängerisch eben. Mir gefällt's.

 

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