Sonntag, 12. Februar 2012

[Rezension] "Feengabe" - Barbara Schinko

Wer sich mit der mythischen Welt der Feen beschäftigt, begibt sich auf spannende Pfade. Schon immer standen diese nie alternden Wesen eng mit den Menschen in Verbindung. Als einerseits des Menschen Schicksal bestimmend, auf der anderen Seite selber unberechenbar nehmen sie unzählige Rollen in Märchen und Sagen ein. Sie vereinen Faszination und Gefahr in den Phantasien von Generationen. Auch in ihrem Roman "Feengabe" führt uns Barbara Schinko in die fabelhafte Welt der Fey, nach Elphame.




Es herrscht eine eigentartige Stimmung in Mavies Umgebung. Während die einen Dorfbewohner den alten Mythen der Fey Glauben schenken, lehnt Mavies Vater diesen Aberglauben als dummes Geschwätz ab. Doch, so versichert der Geisterer, die Bedrohung durch die Fey werde Realität, wenn der Bann durch ein Opfer bis Mitternacht nicht erneuert werde. Dann nämlich kämen die Fey in die Menschenwelt und holten sich deren Mädchen in ihr Reich Elphame.
Geopfert werden soll die Katze Sorleys, des rothaarigen Abdeckersohnes. Mavie hilft ihm, das wehrlose Tier zu retten und die Bannfrist läuft ohne Opfer aus. Wenig später erfährt Mavie vom Verschwinden ihrer Schwester Stella und sie erkennt mit Entsetzen, dass der Feen-Prinz Cahill sie in sein Reich entführt hat. Gemeinsam macht Mavie sich mit Sorley auf, um Stella nach Hause zu holen.

Zunächst liegt das Buch gut in der Hand, die grafische Gestaltung ist unaufwendig, wirkt aber dennoch diffizil und sehr ansprechend. Das Material, also Umschlag und Papier sind von guter Qualität und zeugen von sorgfältiger Verlagsarbeit.
Auch gelingt es der Autorin bereits mit dem ersten Kapitel, mich in den Bann zu ziehen. Die Verquickung von Mavies realer Welt - zunächst ist sie zu Besuch bei ihrer Großmutter, einer ehemaligen Seefahrerin, später bewegt sie sich in ihrem Heimatdorf - und der mythischen Sagenwelt in den Köpfen der Dorfbewohner macht Laune und Lust auf mehr.

Auch die Zeichnung der Fey und des verzauberten Feenreiches Elphame fasziniert, denn die dortigen Wesen sind alles andere als eindimensional. Unter der überirdischen Anmut verbergen sich spitze Zähnchen und kaltblütige Gleichgültigkeit. Der Umgang der Fey mit den Menschen ist nicht mehr als ein Spiel. Doch was den einen Zeitvertreib, bedeutet für die anderen mitunter existentielle Bedrohung. Und so entspinnt sich ein verwirrendes Treiben zwischen Traum und Realität, in dem Mavie und Sorley zu Spielbällen ihrer eigenen Ängste werden. Elphame funktioniert eben nach seinen ganz eigenen Regeln.

Der Kunstgriff der Autorin, die verschiedenen Ebenen dieser Schein- und Gegenwelt auch im Erzählfluss ineinander treiben zu lassen, zwingt zu sehr aufmerksamem Lesen und bringt mich ein ums andere Mal arg durcheinander. Leider verliere ich selbst beim zweiten Lesen des Buches immer wieder den Überblick und kann der Handlung in Elphame so nicht immer folgen. An manch einer Stelle hätte ich mir daher deutlichere Strukturen gewünscht. Nichts desto trotz ist "Feengabe" ein gelungenes Märchen mit sympatischen Hauptfiguren. Und wer weiß? Vielleicht ist uns das Reich der Fey manchmal näher als wir meinen.

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