Freitag, 23. September 2011

[Rezension] "Leeres Versprechen" - Evelyn Barenbrügge

Ich gebe zu, die Phase, in der ich historische Romane am Fließband las, liegt eine ganze Weile zurück. Ich bin auch nicht sicher, ob ich "Leeres Versprechen" überhaupt entdeckt hätte, wäre da nicht der sympathische Auftritt der Autorin auf der Mainzer Minipressen-Messe gewesen. Das ist wohl das Schicksal der Klein- und Kleinstverlage, dass sie in der Masse der Neuerscheinungen leicht übersehen werden. Aber so ist es ja oft, das einem der Zufall manch ein Buch vor die Füße spült. Diesmal also jenes hier:
Barenbrügge entführt uns ins 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der sympathische und nach einem Unfall in seiner Kindheit gehandicapte Bauernjunge Kaspar. Kaspar ist vierzehn Jahre alt. Mit seiner Familie bricht er aus dem durch Missernten und Steuererhöhungen gebeutelten Westfalen auf, um in Österreich ein besseres Leben zu beginnen. Die Reise, die er voller Hoffnung antritt, endet jedoch in einer Katastrophe. Und auch die Versprechungen der österreichischen Obrigkeit auf ein reiches und sorgenfreies Bauernleben in der neuen Heimat stellen sich als leere Worthülsen heraus. Gerade als die Familie sich mit den erschwerten Bedingungen arrangiert hat, bricht eine Tragödie über sie hinein, die Kaspar den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht.




Zunächst liegt das Buch gut in der Hand. Sechhundert Seiten Lesespaß verspricht das Werk - eine Ziffer, die Leseratten wie mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt, Nichtviellesern aber möglicherweise Angst macht. Der großzügige Schriftsatz sowie der verschwenderische Gebrauch direkter Rede jedoch sorgt für Übersichtlichkeit und einen raschen Lesefluss.
Überhaupt ist der ausgeprägte Dialogstil ein sehr auffälliges Mittel in der Schreibe der Autorin. Das ermöglicht ein direktes Eintauchen in die geschilderten Situationen. Wer sich darauf einlässt, vermag sich ein ganz eigenes Bild der Figuren zu erschaffen.

Kaspar ist eine Identifikationsfigur mit wenig Ecken und Kanten, dafür aber mit umso mehr Herz und Verstand sowie einem großen Talent für die Kräuterheilkunde. Diese nämlich hat er einst als Schüler von Mönchen in einem nahe gelegenen Kloster erlernt.Gerade jugendlichen LeserInnen mit einem Interesse für historische Stoffe möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Durch Kaspars Augen können sie lernen, dass es sich  lohnt, weiter zu machen und auf die eigenen Stärken zu vertrauen.

Mein Urteil: 600 Seiten. 2 Tage Lesezeit. Muss ich mehr sagen?

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