Samstag, 18. Juni 2011

Lesen reloaded

In der letzten Zeit lese ich immer häufiger Bücher, die mir gefallen oder etwas Bestimmtes in mir angestoßen haben, ein zweites oder drittes Mal. Früher konnte ich das nicht. Viel zu stark war das Gefühl, ich könnte unter den noch ungelesenen Exemplaren etwas Lohnenswerteres besitzen und folglich etwas Entscheidendes verpassen.
Das führte auch dazu, dass ich mir mittlerweile ein enormes Lesetempo angeeignet habe. Der Vorteil dabei ist: Ich bin eine Meisterin im Querlesen und Überfliegen, kann also innerhalb kürzester Zeit erfassen, ob mir beispielsweise ein Sekundärtext für meine Recherchearbeit nützlich ist. Zudem gelange ich in Romanen rasant zum großen Finale und muss mich nicht allzu lange mit der Frage beschäftigen, wie das Ganze wohl enden mag.


Auf der anderen Seite stelle ich leider immer wieder fest, dass diese Lesegeschwindigkeit oft auf Kosten der Intensität geht, wenn ich versuche, mich an entscheidende Details zu erinnern. Dann weiß ich zwar noch sehr genau, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe, welche Phasen mich besonders beschäftigt haben und wie mein Gesamteindruck ist, tatsächlich aber raube ich mir die Möglichkeit, noch tiefer in die Materie einzusteigen.
Wie gesagt, aus irgendeinem Grund denke ich in der letzten Zeit nicht mehr viel darüber nach, was mir vielleicht durch die Lappen gehen könnte.
Das hat wohl damit zu tun, dass sich in meinem Leben ein paar intensive Erlebnisse ereignet haben. Ich musste Entscheidungen treffen, die mir nicht leicht gefallen sind. Ich hätte das lassen können und weiterhin so leben können wie bisher, aber hätte mich das weiter gebracht?
Es ist manchmal nicht leicht, auf seine innere Stimme zu hören. Nicht immer sagt sie einem das, was man gerne hören möchte. Und dennoch ist sie ein wichtiger Bestandteil der eigenen Persönlichkeit. Meine innere Stimme brüllte mir geradezu ins Ohr: "Schalt mal einen Gang zurück! Lass es langsamer angehn! Überprüfe deine Prioritäten und achte auf die Dinge und Menschen, die dir wirklich gut tun!"
Hab ich gemacht. So. Und nun sitz ich hier und fange an zu begreifen, wie schön es sein kann, sich mit einer Sache zu beschäftigen, die man bereits kennt und zu schätzen weiß. Sie nicht abzulegen, sondern die Schönheit weiter auszukosten. Oder etwas Neues mit Muße zu entdecken. Das Lesen hat für mich seitdem eine vollkommen neue Qualität bekommen. Und das fühlt sich verdammt gut an!

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