Mittwoch, 1. Juni 2011

[Rezension] "Kristallpalast" - Oliver Plaschka

Es ist mein erster Ausflug in ein Genre, das mir persönlich erst vor einigen Monaten begegnet ist, auf der letztjährigen BuchmesseCon in Dreieich nämlich. Dort hatte ich die Freude, einer Lesung Oliver Plaschkas aus seinem Roman "Kristallpalast" beizuwohnen, einem Vertreter der Steampunk-Schreiberlinge. Wikipedia erklärt das Genre folgendermaßen: "Steampunk ist unter anderem ein literarisches Genre, in dem eine oftmals dystopische, zumeist im viktorianischen Zeitalter angesiedelte, kontrafaktische oder virtuelle Geschichte beschrieben wird. Steampunk wird als eine Variante der Science-Fiction bezeichnet und zählt allgemein zur Kategorie der Alternativweltgeschichten."





Die Geschichte Plaschkas spielt im London des viktorianischen Zeitalters. Drei Hauptfiguren führen uns auf unterschiedlichen Wegen zum neu entstandenen Kristallpalast. Die Weltausstellung steht kurz bevor, hunderttausende Zuschauer nebst Queen werden zu diesem Anlass erwartet. Ein geheimnisvolles Artefakt indischen Ursprungs aber, welches die Aufmerksamkeit der beteiligten Romanfiguren auf sich zieht, scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass sich hinter dem Großbauprojekt noch etwas anderes verbirgt. Aber was? Und warum? Das gilt es heraus zu finden.

Die drei Hauptakteure sind so verschieden wie der Schreibstil, der ihre jeweiligen Kapitel begleitet. Miss Niobe begegnet dem Leser als Erste. Schon bald zeigt sich, dass sich hinter ihrer hübschen indischen Fassade weit mehr verbirgt als ein zögerliches Frauenzimmer. Die beiden Herren, die ihr begegnen, erweisen sich als durchaus ebenbürtige Gegner, Captain Royle und der Niederländer Frans. Während Frans im Dienste mysteriöser und nicht ganz zugänglicher Mächte steht, stellt sich Royle als Mitarbeiter der britischen Armee heraus - selbstverständlich streng geheim agierend.

Gespickt ist die Geschichte mit allerhand mechanischem Support sowie geheimnisvoller Talente, mit denen die Akteure ausgestattet sind. Diese Elemente sind es denn auch, die den Roman und das Genre somit in die Aura phantastischer Literatur rückt.

Alles in allem muss ich sagen, dass Steampunkt wohl nicht so völlig mein Genre ist. Hinzu kommt, dass mir die Motivation, die die Figuren antreibt, nicht immer ganz eindeutig scheint. Dem Lesevergnügen tut dies jedoch keinen Abbruch. Plaschkas Sprache ist vielseitig, oft überraschend und humorvoll. An Action mangelt es in seinem Roman nicht, so dass ich letztlich, nach einigen Schwierigkeiten in die Geschichte hinein zu finden, doch mit Spannung das Voranschreiten der Handlung verfolgt habe. Im letzten Drittel des Buches geht es dann richtig zur Sache, so dass ich es kaum aus der Hand legen konnte.

Mein Urteil: Gute Unterhaltungslektüre für Fans historisch-fantastischer Alternativweltgeschichten!

PS: Wer die Möglichkeit hat, Oliver Plaschka live zu erleben, sollte sie nutzen. Höchst lebendig!

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