Montag, 16. Mai 2011

"Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung" - Günter Grass

Gespannt griff ich vom Gabentisch "Grimms Wörter", welches von geliebter Mutterhand zur Weihnacht den Weg in mein Besitztum fand - die Geschichte der Gebrüder aufgearbeitet durch Günter Grass, von ihm gleichzeitig grafisch gestaltet und wortgewaltig umgesetzt.
Während Germanisten seit Generationen versuchen, dem Geheimnis des Grimm'schen Wort-Werkes mit wissenschaftlichen Mitteln beizukommen, grätscht unser Günter gekonnt zwischen die Jahrhunderte, setzt sich selbst mit den Herren in Bezug, gräbt sich durch das teils groteske Geäst Grimm'scher Wortfindungen, gebiert im Galopp gewitztes Gedankengut, grenzenlos geiles Gebrabbel und umgibt die Gebrüder mit - es sei ihnen gegönnt! - Glanz und Gloria. Eine wahre Gaumenfreude für Bibliophile!






Und doch: Gemach, Gemach, Günter! Gäbe er doch die Gabe der Gelehrsamkeit gleichsam ohne großes Aufhebens preis, so glaube ich, nein, ganz und gar sicher bin ich, geriete das Geschriebene noch ein wenig mehr in meine Gunst. So aber verblasst das großartige Getümmel Grimm'scher Geschichtsanekdoten bisweilen hinter Grass'schem Eigenlob, grast er doch ein wenig zu oft gänzlich gönnerhaft auf der eigenen Wiese...

Ich will's mal so ausdrücken: Deinem Werk gebiert Respekt. Bist'n Guter, Günter! Gleichwohl unterschätzt du gewiss die Geistesgaben deiner Leserschaft, so du uns fortwährend auf deine Qualitäten hinweist. Das tut nicht Not.

Dennoch mein Urteil: Größtenteils genießenswert!


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