Samstag, 8. Januar 2011

[Rezension] "Eat Pray Love" - Elisabeth Gilbert

Sorry, Günter. Du mögest es mir verzeihen, dass ich deine Grimm'schen Wörter mal eine Weile aus der Hand gelegt habe. Mir ist da was dazwischen gekommen. Um genau zu sein, hat es mich angesprungen mit seinen wohltuend warmen Tönen auf dem Cover, es hat nach mir geschrien. Mit mir geflirtet und schließlich den Weg in meine Tasche gefunden. Ja, ich habs genau gehört: "Buy. Read. Relax." Besser bekannt unter: "Eat. Pray. Love."

Lesen und Schreiben hat ja doch viel mit der Situation zu tun, in der sich der Lesende/die Schreibende gerade befindet. Und so ist es ganz klar, dass mich dieses Buch augenblicklich so viel mehr anmachte als Grass' "Liebeserklärung" an die deutsche Sprache (und im Übrigen vor allem an sich selbst...). Kein Wunder also, dass ich nicht lange überlegt habe und mich hinein stürzte in die Lebensgeschichte einer Elizabeth Gilbert.

Die Geschichte handelt vom Unterwegssein auf der einen, von der Akzeptanz der eigenen Ängste und Schwächen, somit auch seiner selbst auf der anderen Seite. Vom Ankommen und Angenommen werden. Hallelujah! Treffer versenkt. Genau mein Thema.

Da sitz ich nun also, versunken in die Unbill privater und beruflicher Umbrüche, hin- und hergerissen zwischen Neugierde, Optimismus und positiven Sehnsüchten, aber auch (Selbst-) Zweifeln, Anlehnungsbedürftigkeit und Traurigkeit - und lese die Geständnisse einer Frau, die mit einer gehobenen Prise Selbstironie all diese Gefühle und Gedanken in Worte fasst, die ich zwar spüre, aber gerade nicht zu fassen bekomme, die mich durcheinander wirbeln und wund machen und denen ich mich stellen will.




Ihre Geschichte ist nicht meine, soviel steht fest. Aber offenbar scheint es doch Strukturen zu geben, in denen sich viele Menschen wieder finden, die sich darin gleichzeitig aber nicht gut aufgehoben fühlen.
Da wären zum Beispiel die Schilderungen ihrer Ehemisere. Lizz fühlt sich in ein Leben gepresst, das vor allem durch Erwartungen geprägt ist, jene, die tatsächlich an sie heran getragen werden, sowie jene, von denen sie denkt, sie müsse sie erfüllen. Und sie funktioniert. Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Sie hat nicht gelernt, ihrem eigenen Gefühl zu trauen, ist ungeduldig mit sich und setzt sich leicht unter Druck. Und obgleich sie doch in gewisser Weise schon aus dem ausgebrochen ist, was ihr vorgelebt wurde, fühlt sie sich nach wie vor schuldig, ungenügend, quält sich mit überzogenen Ansprüchen an sich selber und leidet, leidet, leidet.

Aber während viele Menschen in genau diesem Zustand verharren und sich einreden, genau so müsse es sein, dies sei das Leben, und eigentlich gehe es ihnen schließlich gut so, bricht Lizz auf und macht sich für ein Jahr auf eine Reise durch Italien (des Genusses wegen!), nach Indien (Stichwort Meditation!) und schließlich nach Bali (Harmonie!!!).
Und auf diese Reise nimmt sie uns in ihrem autobiografischen Roman mit. Es ist eine Reise zu Orten und Menschen unterschiedlichster Couleur. Lizz erzählt von Begegnungen, von ihrer Angst, die alten, wenn auch bedrückenden, so doch gewohnten Wege zu verlassen. Ich gehe mit ihr durch die Begeisterung, entdecke unbekanntes Gebiet, lache und weine, spüre ihre wiederkehrenden Zweifel und Sorgen, verrenne mich wie sie in alte Muster, um sie anschließend wieder aufzubrechen. Und schließlich komme ich gemeinsam mit ihr am Ende ihrer Reise an, die nichts weiter ist als ein erneuter Beginn zum nächsten großen Abenteuer.

Zugegeben, ich bin noch lange nicht dort angekommen, wo sie jetzt ist. Aber es ist doch tröstlich zu wissen, dass es Menschen gibt, die eine ähnliche Sicht auf die Dinge haben. Sehr beruhigend. Wer sagt uns denn schließlich, dass wir nur liebenswert sind, wenn wir etwas ganz Bestimmtes (gesellschaftlich vorgeprägtes) leisten? Warum fällt es oft so schwer, mit sich selber die gleiche Geduld aufzubringen wie mit anderen? Warum um alles in der Welt denken wir, unsere eigenen Schwächen wären Grund genug, nicht zu genügen?
Im Leben möchte ich keine Automaten an meiner Seite wissen, sondern Menschen! Warum gestehe ich mir selber nicht das Gleiche zu?

"Die Weisen nutzen Worte und Ideen zur Erweiterung ihres Bewusstseins, die meisten von uns aber errichten sich daraus nur Gefängnisse, die uns in einem ständigen Schrumpfungsprozess festhalten. Von unseren eigenen Mantras (Ich bin ein Versager... Ich bin einsam... Ich bin ein Versager... Ich bin einsam...) verführt, werden wir zu Denkmälern dieser Worte", schreibt Elisabeth Gilbert am Ende ihrer Reise. Und sie ermutigt dazu, diese vermahledeiten ausgetretenen Wege endlich zu verlassen. Jeder auf seine ganz eigene Weise.

Mein Urteil: Verführerisch wie italienische Pasta und himmlisch leicht wie eine Feder! Lesen!


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